Alois Karl Bundestagsabgeordneter für Amberg-Sulzbach-Neumarkt


Ukrainischer Botschafter Dr. Andrij Melnyk besucht Wahlkreis

Viel Optimismus in Richtung einer gedeihlichen wirtschaftlichen Zusammenarbeit beider Länder erfuhr der Botschafter der Ukraine, Dr. Andrij Melnyk, bei einer informativen Reise, zu der ihn Bundestagsabgeordneter Alois Karl durch seinen Wahlkreis eingeladen hatte. In der Kriegsgräberstätte am Föhrenweg in Neumarkt wurden aber auch Erinnerungen wach, die als Schatten über der Geschichte der beiden Völker liegen.

Bei einem Wirtschaftsgespräch im Forsthof in Kastl gab der Geschäftsführer der Amberger Kaolinwerke, Dr. Otto Hieber einen Erfahrungsbericht über die Zusammenarbeit mit ukrainischen Partnern. Voraus gegangen war ein Besuch der Werke in Hirschau. In Kastl hatten sich auch Landrat Richard Reisinger und der 2. Bürgermeister Andreas Otterbein dazu gesellt, sowie eine Ukrainische Ärztin, die am Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg beschäftigt ist.

Nachdem sich der Botschafter ins goldene Landkreisbuch eingetragen hatte sprach er von einem positiven Wandel in seinem Heimatland seit 2014. Die Annäherung an die EU und auch die Nato sei das Ziel. Allerdings würden durch den Krieg in der Ostukraine und durch die Besetzung der Krim 20 Prozent der Wirtschaftsleistung des Staates gebunden.

Deutschland und insbesondere Bayern sei der wichtigste Handelspartner der Ukraine.

Derzeit würden in der Ukraine vor allem Waren für die Autozulieferindustrie in Deutschland hergestellt. Aber auch viele Rohstoffe würden nach Deutschland geliefert. Die Standards der EU- sollen bin 2025 erreicht werden.

Ein großes Problem in seinem Land, das verschwieg der Botschafter nicht, sei die Korruption, die noch aus Sowjetzeiten stamme und nur schwer aus den Köpfen der Menschen zu verbannen sei. Dazu käme die Belastung durch rund eine Million Binnenflüchtlinge wegen des schwelenden Konflikts im Osten des Landes.

Dr. Otto Hieber von den Amberger Kaolin Werken, die ein Unternehmen in der Ukraine besitzen, berichtete von den Aufbau- und Anfangsschwierigkeiten. Deshalb habe man die Regie selbst übernommen. „Die Qualität wurde besser, die Bereitschaft bei der Belegschaft, sich zu qualifizieren, ist vor allem bei den jungen Mitarbeitern erfreulich. Staatlicherseits wurde das Steuer- und Zollwesen reformiert, so dass man sich an EU-Standards annähere“, gab sich Hieber zuversichtlich.

Auch von der Dorfner Gruppe wurde Positives berichtet. Man sei derzeit dabei, Lithium- und Graffitvorkommen in der Ukraine für die deutsche Batterieproduktion zu erschließen.

Nächste Station war dann das neue Gewerbegebiet hoch über Deining, in dem die Firma Blitzschutz Pröpster innerhalb weniger Jahre Erstaunliches auf die Beine gestellt hat. „Ich sehe diesen gelungenen Umzug als ehemaliger Neumarkter Oberbürgermeister mit einem weinenden Auge, mit einem lachenden als zuständiger Bundestagsabgeordneter“ gestand Alois Karl.

Zunächst sei, erläuterte Johann Pröpster, nur eine Lager-Halle geplant gewesen,. Inzwischen sei auch ein wichtiger Teil der Produktion von Neumarkt hierher verlagert worden. Noch stehen einige Hallen auf dem weitläufigen und mit viel Grün gestalteten Gelände leer, werden sich aber in den kommenden Jahren zügig füllen, sind der Juniorchef und sein Vater sich einig, der einmal als Einmann-Betrieb begonnen hat. Das Unternehmen, so Alois Karl, eile inzwischen von Jahr zu Jahr von Umsatzrekord zu Umsatzrekord.

Bevor die Besucher, unter ihnen Landrat Willibald Gailler, seine Stellvertreterin Susanne Hierl, Deinings Bürgermeister Peter Meier und sein Vorgänger Alois Scherer auf den Weg durch die Fertigungsanlagen machten, gab Johann Pröpster einen kurzen Einblick in die Planungen des Unternehmens in Richtung Osteuropa. Zwar habe man noch keine direkte Vertretung in der Ukraine, stehe aber im Baltikum, in der Nachbarschaft, Gewehr bei Fuß. Die Ukraine sei ein wunderschönes Land ,schwärmte der Firmenchef. mit enormem Potential, aber es gebe noch viel zu tun - zum Beispiel beim Blitzschutz vorn Gebäuden. Da sei er sich sicher. Botschafter Andrij Melnyk nickte lächelnd Zustimmung.

Viel zu tun gebe es auch auf dem Weg der Aussöhnung der beiden Völker, erklärte der Botschafter. Die Kriegsgräberstätte am Föhrenweg, in der auch viele Ukrainer bestattet sind, empfindet er als wichtiges und berührendes Zeichen. Von 4000 der 5000 Kriegsgefangenen, Verschleppten und Zwangsarbeitern - Frauen, Männer und Kinder - die in ganz Bayern in den Kriegsjahren gestorben sind und hier zusammen ihr letzte Ruhestätte fanden, sind die Namen bekannt. An den landestypischen Endungen der Familiennamen lassen sich die Ukrainer von Menschen aus anderen Teilen de früheren Sowjetunion unterscheiden, die hier zusammen mit ihnen liegen.

Es gebe eine Liste bestätigte der Bezirksgeschäftsführer des Volksbund Kriegsgräberfürsorge, Dario Vidojkovic. Es wäre schön, wünschte sich MdB Alois Karl, wenn nach den Letten, Litauern und Esten auch die Ukrainer eine gesonderte Erwähnung im Eingangsbereich des Friedhofs finden würden. Denn die Sowjetunion wurde ja schon vor Jahrzehnten von der Russischen Föderation abgelöst.