Alois Karl Bundestagsabgeordneter für Amberg-Sulzbach-Neumarkt


"Sulzbacher Torarolle" erfährt bundesweite Aufmerksamkeit

Im Rahmen der bewegenden Gedenkstunde des Deutschen Bundestages für die Opfer des Nationalsozialismus, exakt 76 Jahre nach der Befreiung des KZ Auschwitz, sprachen Charlotte Knobloch und Marina Weisband im Plenum. Zugleich wurde ein ungewöhnlicher Film gezeigt und in einer ungewöhnlichen Zeremonie die Sulzbacher Tora-Rolle feierlich fertiggestellt.
Diese Tora-Rolle ist eine der ältesten in Süddeutschland. Sie datiert aus dem Jahre 1793.

Der Rabbiner der Amberger Kultusgemeinde, Elias Drey und sein Amtskollege Shaul Nekrich rollten vor den Spitzen der deutschen Verfassungsorgane - angeführt von Bundespräsident Frank Walter Steinmeier - im Andachtsraum des Deutschen Bundestages  die fast fertig restaurierte Tora-Rolle aus. Neben dem Bundespräsidenten legten - im wahren Sinne des Wortes - Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesratspräsident Reiner Haseloff und Präsident des Bundesverfassungsgericht Stephan Harbarth Hand an. Ein ausgebildeter Tora-Schreiben aus Israel fügte mit diesen prominenten Gästen die letzten zwölf Buchstaben in die restaurierte Tora-Rolle ein. Damit ging ein langer Prozess der Wiederherstellung zu Ende und eine circa 100 Jahre lange Odyssee.

Anfang des letzten Jahrhunderts löste sich die jüdische Gemeinde in Sulzbach auf und die dortige Synagoge wurde in ein Heimatmuseum umgewandelt. Die Tora-Rolle gelangte in die Amberger Synagoge. Angesichts des heraufziehenden Terrors und der Verfolgung durch die Nazis gab der damalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Amberg, Leopold Gudlewsky, rechtzeitig vor der Reichspogromnacht am 9. November 1938 die Tora-Rolle in die Obhut des Heimatmuseums Amberg, an Oberlehrer Georg Döppel. Dort überstand sie mit anderen wertvollen Kultgegenständen die "Reichskristallnacht", die Amberger Synagoge selbst wurde verwüstet, die Tora-Rolle wäre dort sicher vernichtet worden.

Die Überlebenden der Jüdischen Gemeinde Amberg erhielten 1945 aufgrund eines Erlasses der amerikanischen Militärbehörden die Tora-Rolle zurück. Mit anderen wurde sie in einem Tora-Schreiben aufbewahrt, geriet aber in Vergessenheit. Erst Mitte des letzten Jahrzehnts wurde sie wiederentdeckt. Dabei erkannte man  die Bedeutung der 200 Jahre alten Schrift. Die israelitische Kultusgemeinde beschloss, die Tora-Rolle restaurieren zu lassen. Die Bundestagsabgeordneten Alois Karl und Barbara Lanzinger setzten sich für Bundesmittel ein, ebenso leistete die israelitische Kultusgemeinde Amberg starken Anteil. Die "Heilige Schrift" wurde nach Israel gebracht, um von einem ausgebildeten Tora-Schreiber in Handarbeit restauriert zu werden. Der Schlussakt wurde im Bundestag vollzogen.

Der Gedenktag an den Holocaust wurde vor 25 Jahren vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog auf Anregung des seinerzeit amtierenden Vorsitzenden des Zentralrates der Juden, Ignaz Bubis, ins Leben gerufen. Der Gedenktag nimmt Bezug auf die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 durch die Rote Armee.

Die sowjetischen Soldaten fanden noch 7.000 Überlebende. 1,1 Millionen Menschen waren in dem Lager ermordet worden. Ausschwitz wurde zum Synonym des Holocaust, der Shoa. Der Vernichtung waren insgesamt circa sechs Millionen Juden zum Opfer gefallen. Ihr grausames Schicksal teilten in Auschwitz-Birkenau 160.000 weitere Menschen, insbesondere Sinti und Roma, oder Homosexuelle. Die Opfer kamen aus Deutschland und dem ganzen, von Nazi-Deutschland besetzten Europa.

Roman Herzog sagte vor 25 Jahren einen auch heute hochaktuellen Satz: "Die entscheidende Aufgabe ist es, eine Wiederholung - wo und in welcher Form auch immer - zu verhindern. Dazu gehört beides: die Kenntnis der Folgen von Rassismus und Totalitarismus und die Kenntnis der Anfänge, die oft im Kleinen, ja sogar im Banalen liegen können".

Seit 2005 ist der Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz auf Beschluss der Vereinten Nationen der internationale Holocaust-Gedenktag. Das war ein wichtiges Signal für die Erinnerungskultur. Inzwischen wird in vielen Staaten der Welt am 27. Januar der Opfer des Holocaust gedacht.