Alois Karl Bundestagsabgeordneter für Amberg-Sulzbach-Neumarkt


Alois Karl: Energiewende verantwortungsvoll umsetzen und Sorgen der Bürger ernst nehmen!

Es wurde der von Bundestagsabgeordnetem Alois Karl erhoffte sachliche und faire Dialog über die Notwendigkeit der so genannten Jura-Leitung P 53, zu dem er ins Feuerwehrhaus in Mühlhausen eingeladen hatte. Noch ist nichts in Stein gemeißelt. Eine Entscheidung wird erst im Herbst nächsten Jahres fallen, wenn der Deutsche Bundestag den Bedarfsplan in ein Gesetz gießt.

Entlang der bestehenden 220-KV-Leitung durch den Landkreis Neumarkt, die nach bisherigen Überlegungen auf 380 KV aufgerüstet werden soll, haben sich zahlreiche Bürgerinitiativen gegründet, die vor den Folgen dieser Maßnahme für ihre Heimat warnen und für eine Dezentralisierung de Stromversorgung durch erneuerbare Energien votieren. Sie nutzen die Gelegenheit, vor dem Versammlungsort in gelben Westen und auf Spruchbändern ihre Bedenken und Forderungen zu formulieren.

Mühlhausens Bürgermeister Dr. Martin Hundsdorfer fanden sie an ihrer Seite. Hundsdorfer ist überzeugt, dass neue Entwicklungen die Aufrüstung der P 53 überflüssig machen werden. Diese Zuversicht teilt Alois Karl nicht. Unter der Maxime „soviel Dezentralisierung wie möglich“ würden die Notwendigkeiten untersucht, die eine gesicherte und zukunftsfähige Stromversorgung der Republik  verlangten und dann ein Gesetz formuliert. „Daran muss sich dann auch Horst Seehofer halten“ teilte Alois Karl einen Seitenhieb auf den Bundesinnenminister aus, der sich unlängst in Dietfurt bei einer Bierzeltrede auf Seiten der BI geschlagen und bezweifelt hatte, dass die Ertüchtigung der Jura-Leitung  zwangsläufig sei. Niemand , wandte Alois Karl sich an die Demonstranten, das dürfe man ihm abnehmen, „will Ihnen irgendeinen Schaden zufügen.“

Ziel des Netzentwicklungsplans sei ein Stromnetz ohne Engpässe bei der Übertragung, verbunden mit einem möglichst Platz sparendem Vorgehen. Die Maßnahmen folgten dem NOVA-Prinzip, das für Netzoptimierung vor Netzverstärkung steht. „Wenn die Aufrüstung kommen muss“, versprach Alois Karl, dann werde ich mich dafür einsetzen, dass in sensiblen Bereichen die Erdverkabelung Vorrang bekommt“.

Rund 200 Einladungen zu dem Fachgespräch waren raus gegangen an Vertreter der Bürgerinitiatiativen, Kreisräte und Vertreter der betroffenen Gemeinden. Rund 100 waren gekommen und füllten den Saal des Feuerwehr-Gerätehauses. Nach einem kurzen Statement übergab Alois Karl das Wort an Dr. Markus Doll, den Leiter des Referats Netzentwicklung der Bundes-Netzagentur. Doll erläuterte, auf Grund welcher Annahmen, Vorgaben, Fakten und Prognosen die Bewertung der Notwendigkeit der Ertüchtigungen vorgenommen wurde und wird. Die Moderation in der anschließenden mehr als 90-minütigen Diskussion hatte Dr. Peter Ahmels vom Bürgerdialog der Bundesregierung übernommen. Ziemlich diszipliniert hielten sich die durchaus kritischen Wortmeldungen an ein knappes Zeitlimit und die Beschränkung auf jeweils zwei Fragen.

Zuvor hatte Markus Doll die Eckpfeiler des Netzentwicklungsplans von 2019 bis 2030 dargelegt. So fließt in die Überlegungen etwa ein Beitrag der Erneuerbaren Energien von 65 Prozent am Bruttostromverbrauch ein, vom Kohleausstieg bis 2038 wird ausgegangen und künftige Entwicklungen von Speichermöglichkeiten und Energieeinsparungen „eingepreist“.

Die Versorgungssituation in Bayern im Jahr 2030 stellt sich nach diesem Szenario so dar, dass 25 Prozent der benötigten Energie importiert werden müssten. Dabei diene selbstverständlich auch Dezentrealität als Planungsgrundlage. Die Agentur geht von 22,4 Gigawatt (GW) aus Photovoltaikanklagen im Jahr 2030 aus, einer Speichermöglichkeit von 2,2 GW in PV-Anlagen, 2,6 GW aus 850 Windkraftanlagen , 1,6 Milllionen Elektrofahrzeugen bis dahin und 1,1 GW aus Blockheizkraftwerken und 1,7 GW aus Gaskraftweken. Das heiße: Dezentralisierung ja, aber eben nicht nur.

Autarkie sei keine Lösung für Regionen. Über eine realisierbare und volkswirtschaftlich sinnvolle Dezentralisierung hinaus, sei ein überregionaler Energieaustausch notwendig. Dabei würden bestehende Möglichkeiten, wie eben die Jura-Leitung genutzt. Neubaumaßnahmen seien „ultima ratio“.

Schlussendlich diene die P53 als Netzverstärkung, die bei Ausfällen des Sysstems östlich und westlich davon die Belastung der jeweils anderen Trasse auf unter 100 Prozent reduziere.

Das provozierte die Sprecherin der BI Hofen zu der Frage, von wie vielen Überlastungsstunden man ausgehen müsse. Jährlich etwa 100, lautete Dolls Antwort.

Eine Vertreterin der BI Kottingwörth kritisierte, dass zwar stets von Erneuerbaren Energien die Rede sei, tatsächlich aber auch Atomstrom aus anderen Ländern der EU imZug des üblichen Handels durch das deutsche Netz fließen werde. Das stellte Doll auch nicht in Abrede. Das sei unvermeidbar, solange Deutschland mit seinem geplanten Ausstieg aus der (CO2-freien) Atomkraft allein bleibe. Aber Sinn der Leitungen, über die hier und jetzt gesprochen werde, sei der Transport von Strom aus dem vom Wind verwöhnten Norden in den Süden, wo ihn die Industrie brauche.

Sorgen um Kultur und Landschaft macht sich ein Bürger aus dem traumhaft schön gelegenen Sulzbürg und stellte die grundsätzliche Frage, wie die geplanten mächtigen Stromleitungen verhindert werden könnten. Nun, die seien Ergebnis eines demokratische Prozesses, erwiderte Doll.

Den wiederum stellte eine Diskussionsteilnehmerin in Frage, die bemängelte, dass die Bürger viel zu spät in die Bewertungen eingebunden worden seien.

Dass die üblichen und dann auch größer dimensionierten Gitter-Maste auch optisch die Landschaft beherrschen würden, räumte auch Markus Doll ein. Die höhere elektromagnetische Strahlung einer 380-KV-Leitung mache auch einen größeren Abstand zum Boden unverzichtbar. Beton sei allerdings auch nicht der Stein der Weisen. Diese Maste, für die auch Neumarkter Firmen das Know How besäßen seien zwar schlanker und niedriger, müssten aber in engeren Abständen errichtet werden, um ein Durchhängen der Leitung zu verhindern.

Er habe viel dazu gelernt, zog Alois Karl ein positives Resümee des Abends. Es werde, versicherte er, nicht die letzte Veranstaltung dieser Art sein, um die Bürger stets über den neuesten Sachstand auf dem Laufenden zu halten.