Alois Karl Bundestagsabgeordneter für Amberg-Sulzbach-Neumarkt


Präsident des Volksbundes Deutscher Kriegsgräber, Wolfgang Schneiderhan, besucht Wahlkreis

Wir sind keine staatlich angestellten Friedhofsgärtner, sondern haben einen wichtigen Bildungsauftrag“, rückte Wolfgang Schneiderhan manche falsche Vorstellung über die Volksbund Deutsch Kriegsgräberfürsorge zurecht, deren Präsident er seit geraumer Zeit ist. Und den er wieder in ein ruhiges Fahrwasser geführte habe, wie Bundestagsabgeordneter Alois Karl betonte.

Der hatte den ehemaligen Generalinspekteur der Bundeswehr zu einem eintägigen Aufenthalt in seinem Wahlkreis eingeladen. Die Visite begann an der Kriegsgräberstätte am Föhrenweg in Neumarkt und endete mit einem Empfang in den Stadtwerken Amberg.

Wie schon Tags zuvor, als die slowenische Botschafterin Marta Kos Marko in Neumarkt zu Gast war, übernahm der frühere Bürgermeister Arnold Graf die Führung über den stillen Friedhof, auf dem über 5000 Menschen begraben liegen, die während des Zweiten Weltkriegs nach Deutschland zur Zwangsarbeit verschleppte worden und hier gestorben waren. In Neumarkt, wo heute der Ortsteil Wolfstein ist, befand sich ein Durchgangslager. Die dort wegen der schlechten hygienischen Zustände und vermutlich auch der Mangelernährung starben, wurden in Säcken in das Waldstück gebracht, wo sich jetzt der Friedhof befindet und verscharrt. In den 80´ern ging man daran, diesen Menschen eine würdige letzte Ruhestätte zu geben.

Die Tatsache, dass hier Tote aus vielen Ost- und Südosteuropäischen Ländern liegen, war auch der Anstoß, die Internationale Jugendbegegnung ins Leben zu rufen, die seitdem schon vielfach junge Menschen aus Ländern des früheren Ostblocks und Neumarkt über die Musik zusammen gebracht hat.

Das ist umgesetzt, was die Kriegsgräberfürsorge sich als Motto gegeben hat: „Versöhnung über den Gräbern“. Wolfgang Schneiderhan, der im Gasthaus Wanke und später im Landrastamt Amberg-Sulzbach im kleinen Kreis über die Aufgaben dieser 1919 gegründeten humanitären Organisation berichtete, hat selbst erlebt, wie junge Männer und Frauen plötzlich ganz nachdenklich werden, wenn sie auf den Grabsteinen die Lebensdaten der Gefallenen lesen. „Mein Gott, die waren ja kaum älter, manche sogar jünger als ich“.

Der Volksbund betreut heute 833 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten mit rund 2,7 Millionen Kriegstoten. Nach der Wende in Osteuropa nahm der Volksbund auch dort seine Arbeit auf. „Der Türöffner war“, weiß Schneiderhan, „als wir den Russen zeigten, wie wir mit ihren Toten umgehen.“

Die Aufgabe würden inzwischen mehr, sagt Schneiderhan, denn nun werde auch versucht, die Daten von umgekommenen Kriegsgefangenen, von Flüchtlingen und Verschleppten zu erfassen.

Zwar definiere das Grundgesetz die Ziele der Kriegsgräberfürsorge, doch übernimmt hierzulande der Staat nur etwa eine Drittel der Aufwendungen. Deshalb ist Wolfgang Schneiderhan Alois Karl auch ausgesprochen dankbar, der seiner Wahrnehmung nach, kräftig mit angeschoben hatte, dass die Mittel in diesem Jahr spürbar erhöht wurden. Das Geld stammt aus dem Topf des Außenministeriums, und Alois Karl ist Berichterstatter für dieses Ressort im Haushaltsausschuss.

Früher war er mal Oberbürgermeister von Neumarkt und so schilderte er dem Gast kenntnisreich die Geschichte Neumarkts von der Zerstörung in den letzten Kriegstagen über den schnellen Wiederaufbau bis heute, da die Stadt vor Vitalität strotze. Mit Stolz verwies er auf eine Jugendarbeitslosenquote von 0 Prozent.

Kraft Amtes ist Landrat Willibald Gailler Kreisvorsitzender des Volksbunds und freute sich über den kurzen Besuch des Chefs. Er zeigte dem Gast, dem aus seiner Soldatenzeit die Oberpfalz durchaus bekannt ist, die gute Entwicklung des Landkreises in den letzten Jahrzehnten. Das Verhältnis zu den Amerikanern in Hohenfels sei unkompliziert.

Gaillers Kollege in Amberg, Richard Reisinger, der stellvertretende Bundes-Vorsitzende des Volksbunds empfing Wolfgang Schneiderhan vor seinem Amtssitz am Ufer der Vils, unmittelbar neben der Stadtbrille. „Jetzt verstehe ich warum Sie so gern hier sind und so selten nach Kassel zu mir kommen“, scherzte der Ex-General angesichts eines der schönsten Landratsämter Bayerns.

 

Bereits in der Schweppermann-Kaserne hatte sich Regierungspräsident Axel Bartelt zu der “Reisegruppe“ gesellt. Bartelt ist, ebenfalls Kraft Amtes, Bezirksvorsitzender des Volksbunds. In der Kaserne in Kümmersbruck ist eines von 34 Familienbetreuungszentren bundesweit untergebracht, das sich um die Soldaten und ihre Angehörigen vor einem Einsatz im Ausland, während des Einsatzes und danach kümmert. Angegliedert ist sogar ein kleiner Kindergarten mit allerdings nur zehn Plätzen.

In den Saal der Amberger Stadtwerke waren dann die Vertreter des Arbeitskreises Sicherheit und Außenpolitik, Soldaten, Reservisten, und Kriegerkameradschaften zu einem entspannten Plausch mit dem einstmals ranghöchsten Soldaten der Republik eingeladen, unter ihnen auch Brigadegeneral Jörg See, der ranghöchste Soldat vor Ort.